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Écran large sur tableau noir ist ein vom Kulturzentrum Les Grignoux (Lüttich) organisiertes Projekt, das aus zwei wesentlichen Teilen besteht: erstens die Gestaltung eines Programmes von Filmen, das sich an Schulen richtet, und zusätzlich eine Auswahl von Begleitheften zum Film für Lehrer, die die Behandlung eben dieser Filme im Unterricht unterstützen.
Die Veranstaltungsreihe wird von unseren Partnerorganisationen (Kulturzentren und/oder Kunst- und Programmkinos) in den grösseren Städten der französichen Gemeinschaft (Belgien) übertragen.
Jedes Jahr bietet Écran large sur tableau noir ein Programm von etwa dreissig Filmen, gedacht für ein Publikum sowohl von Grund- als auch von Oberschulen. Die Filme zeichen sich einerseits durch ihre Zugänglichkeit für ein breites Publikum von Kindern und Jugendlichen aus, andererseits durch die Reichhaltigkeit ihrer Realisation und interessante und aktuelle Inhalte. Genauer gesagt versucht die Auswahl den Ansprüchen dreier unterschiedlicher Welten gerecht zu werden: der Welt des anspruchsvollen Kinos, welches eher unbekannte Werke von hoher Qualität fördern will, jener des Unterrichts, dessen zahlreiche und komplexe Ziele sich bekanntermassen nicht auf das Vermitteln von Kunst (noch weniger der "siebten Kunst“) beschränken, und schliesslich der Welt der Schüler, von denen die meisten schon als Zuschauer Erfahrungen mit Filmen haben.
Die Veranstaltungsreihe Écran large sur tableau noir zielt also darauf, jungen Zuschauern die Möglichkeit zu eröffnen Filme zu sehen, die sie vermutlich nicht von sich aus anschauen würden, gleichzeitig kann sie hoffentlich mit ihrem breiten Spektrum an Filmen die verschiedenen Erwartungen des einen oder anderen erfüllen [1].
Auch wenn unser Programm vor allem vor allem neuere Filme beinhaltet, hängt unsere Auswahl nicht von übereilter Aktualität oder kurzlebigen Erfolgen ab; sie soll im Gegenteil eine bedachte Wahl der Lehrenden begünstigen. Zu diesem Zweck erarbeiten die verschiedenen Partner von Écran large sur tableau noir am Anfang der Saison eine Broschüre, in der die Filme vorgestellt werden. Insbesondere wird darin erklärt, an welches Publikum sich der jeweilige Film richtet (vor allem das Alter der Zuschauer), welches die verschiedenen ästhetischen und thematischen Qualitäten der ausgewählten Filme sind und schliesslich welche pädagogischen Ziele die Lehrer unterschiedlicher Fächer mit der Vorführung dieser Filme verfolgen können.
Écran large sur tableau noir fördert die Vorführung von Filmen auf grosser Leinwand, da das eine grundlegende Dimension des kinematographischen Erlebnisses darstellt. Alle teilnehmenden Institutionen garantieren daher eine Projektion der Filme unter bestmöglichen Umständen.
Um einen leichteren Zugang für möglichst Viele zu ermöglichen wurde der Eintrittspreis für die Vorstellungen von Écran large sur tableau noir freiwillig auf ca. 50-60 % des normalen Preises der Kinos reduziert [2].
Die Einzigartigkeit des Projekts Écran large sur tableau noir liegt vor allem auch in der Auswahl der pädagogischen Begleitung der Filme, bestehend aus Dossiers zum Film, die in erster Linie für Lehrer, die mit ihrer Klasse in die Schulvorstellung kommen, gedacht sind und welche diese umsonst vor der Vorstellung erhalten.
Die Lehrer sind die unumgänglichen Verbündeten des Projekts Écran large sur tableau noir: Es ist also unentbehrlich, ihre Erwartungen zu berücksichtigen, ihre Vorbildung und ihre Kompetenzen, die, so zahlreich und vielfältig sie auch sind, in gewissen Bereichen wie dem Kino vielleicht nur partiell und unvollständig.
Die Verantwortlichen von Écran large sur tableau noir haben sich entschlossen, sich mit den von ihnen gestalteten pädagogischen Dossiers an eine grösstmögliche Zahl von Lehrern zu wenden, ohne vorhandenes Wissen im Bereich Film vorauszusetzen, und im Vertrauen auf die Fähigkeiten und Ideen, die jene mitbringen.
Ausserdem entstehen unsere Dossiers im Bewusstsein des aktuellen Standes der Filmforschung: auch wenn es unzählige Theorien über das Kino und verschiedenen Methoden der Filmanalyse gibt, so bietet doch keine allein ein solides Wissen, auf dessen Basis eine reflektierte und kritische Herangehensweise an die Gesamtheit der kinematographischen Werke möglich wäre. Vom pädagogischen Standpunkt aus ist es daher fast schon gefährlich, ein Wissen, welches gleichzeitig partiell, hypothetisch und oft polemisch ist, nur vereinfacht wiederzugeben [3]. Die Dossiers, die wir im Rahmen von Écran large sur tableau noir gestalten, beschränken sich nie auf die blosse vereinfachte Darstellung eines angelesenen Wissens, und sind dazu gedacht - zusammen mit den Lehrern genauso wie mit den Schülern - auch die Instrumente der Analyse oder eine bestimmte vorgeschlagene Betrachtungsweise kritisch zu untersuchen.
Jedes pädagogische Dossier stellt sich zwei Ansprüchen:
Auch wenn die jeweiligen Antworten, die die verschiedenen pädagogischen Dossiers geben, wie jegliches menschliche Werk von unterschiedlicher Qualität sind, ist es das konstante Bemühen um pädagogische Ziele, welches die Einzigartigkeit des Projektes Écran large sur tableau noir ausmacht. In unseren Dossiers geht es nicht nur darum, die Lehrer mit verschiedenen Materialien unterschiedlicher Art zum Film auszustatten, auch nicht mit mehr oder weniger vereinfachtem kinematographischen Wissen, sondern es ist unser Anliegen, ihnen Wege des pädagogischen Gebrauchs aufzuzeigen, die in der gewohnten schulischen Umgebung wirklich möglich und von praktischem Nutzen sind.
Im Verhältnis zu den üblichen Ansätzen für den Bereich Film sind die Verantwortlichen von Écran large sur tableau noir mit der Zeit an den Punkt gelangt, eine eigenständige Sichtweise zu definieren. Diese hinterfragt bestimmte klassische Trennungen auf diesem Feld, wie die Gegenüberstellung von Form und Inhalt, zwischen der "dem Film eigenen Sprache" und den behandelten Themen, oder auch zwischen dem Bereich des "Bildes" und dem des "rationellen" Denkens. Weil die Verantwortlichen von Écran large sur tableau noir einer Projektion des Filmes im Kinosaal unter dessen Bedingungen den Vorzug geben (ohne technische Geräte wie Videorekorder oder DVD-Player), bieten sie Lehrern und Schülern an mit einem Material zu arbeiten, welches gleichzeitig fragil und unausweichlich ist: die kollektive Erinnerung der Klasse.
Der Gegenstand dieser Arbeit der Wieder-Erinnerung ist der Film als Ganzes, verstanden als die Gesamtheit der bedeutsamen Beziehungen zwischen seinen einzelnen Teilen: ein Film, im Gegensatz zu einer Fernsehsendung, besteht nicht aus einer Anhäufung von disparaten und unabhängigen Stücken, sondern ist der geplante Ausdruck eines bedeutungsvollen Ganzen. Dieses Projekt, weit davon entfernt sich auf die Erzählung, das Thema oder eine ideologische Aussage zu beschränken, drückt sich ebenso in der Wahl einer einheitlichen Ästhetik aus; etwas, das nur schwerlich auf der Ebene einer isolierten Sequenz zu erreichen wäre.
Schließlich ist es durch die komplexe und vielseitige Gesamtheit des Films nicht möglich, von vorneherein die wichtigen Elemente oder notwendigerweise zutreffendsten Merkmale zu definieren. Für jeden Film muss frei von Dogmatismus der Blickwinkel gefunden werden, der dem kreativen Projekt seiner Schöpfer am angemessensten ist - man analysiert einen Film von Jaques Tati und einen Film von Ken Loach nicht auf die selbe Art - aber ebenso angemessen den Interessen und Zielen, wenn nicht dem Vergnügen der Lehrer und der jungen Zuschauer, an die man sich wendet. So erklärt sich, dass das Team von Écran large sur tableau noir für jeden der im Rahmen des Projekts angebotenen Film ein spezielles Dossier gestaltet, auch wenn viele dieser Dossiers Werkzeuge und Methoden eröffnen, die auf eine große Anzahl von Filmen übertragbar sind [4].
Die verschiedenen Partnereinrichtungen des Netzwerkes Écran large sur tableau noir verpflichten sich, die oben erläuterten Prinzipien zu respektieren, insbesondere das Jahresprogramm, den reduzierten Eintrittspreis und die Verteilung der kostenlosen pädagogischen Dossiers an die Lehrer. Jede Partnereinrichtung kann aber auch bei der Programmgestaltung auf die lokalen Besonderheiten und Bedürfnisse eingehen. Ebenso kann jeder Partner eigene Projekte erstellen, Aktivitäten oder Materialien anbieten, die die pädagogische Begleitung durch die Dossiers vervollständigen.
Das Kulturzentrum Les Grignoux organisiert die Koordination des Projektes Écran large sur tableau noir und legt besonderen Wert auf den Austausch von Informationen und Erfahrungen der verschiedenen Partnerorganisationen untereinander. Gegenwärtig ermöglichen zwei Besprechungen im Jahr diesen Austausch.
Die Besprechung am Ende des Schuljahres ist vor allem eine Gelegenheit, das Programm für das folgende Jahr auszuarbeiten, unter Einbeziehung der Vorschläge der unterschiedlichen Partnerorganisationen.
[1] Diesen Gedanken finden Sie noch einmal ausführlicher entwickelt (auf Französisch) in : "Écran large sur tableau noir : Définition et réflexions"
[2] Erinnern wir uns daran, dass das Zeigen eines Videos oder einer DVD, ob gekauft oder geliehen, in der Schule gegen geltendes Urheberrecht verstösst, weil die Vorführung nicht im familiären Rahmen stattfindet und einen öffentlichen Charakter hat (auch wenn die Teilnehmer keinerlei Eintrittspreis zahlen). Von Écran large sur tableau noir organisierte Vorstellungen werden in Übereinstimmung mit den betroffenen Verleihern gezeigt und der verlangte Eintrittspreis dient vor allem auf der Bezahlung der Urheber des Films.
[3] Siehe dazu "Écran large sur tableau noir: Définition et réflexions" (auf Französisch)
[4] S. vorherige Fußnote
Écran large sur tableau noir ist eine Veranstaltungsreihe organisiert vom Kulturzentrum Les Grignoux (Lüttich).
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